Burgenchronik

 

CHRONIK – KAISERSBERG

Vom Fresenberg zieht ein schmaler Rücken, begleitet von zwei tief eingeschnittenen Tälern, nach Südosten und bricht mit einer Rückfallkuppe steil, teilweise in kleinen Felswänden, gegen das Murtal ab. Auf dieser schmalen Kuppe entstand die lang gestreckte Burg Kaisersberg, die heute noch als Ruine erhalten ist, während das neue Schloss im Engtal unter der Burg ein lang gestrecktes, schmuckloses Gebäude ohne jegliche Wehranlage ist. Ein tiefer Graben trennte das Burggelände von dem nordwestlich gelegenen Bergland des „Schlossberges“, über den Graben führte eine Zugbrücke zu einem starken, von einem Turm überhöhten Tor. Zwischen der Wehrmauer und einer Stützmauer, hinter der die verschiedenen Wirtschaftsgebäude lagen, gelangte man zu dem zweiten Tor, das in den inneren Burghof führte. Ein Viereckturm lag an der Nordostecke der Wehrmauer, die an das Tor anschloss. Von diesem Turm zog die Mauer die Ostfront entlang mit einem Wehrgang in Stockwerkshöhe zu einem starken dreigeschossigen Wohnturm mit vier Dacherkern. Hier schloss der Palas zweistöckig an und endete in dem vermutlich ältesten Teil der Anlage knapp über dem Südabsturz zum Murtal, einem dreistöckigen, turmartigen Haus, dem gegen den Hang zu, einige kleinere Wehranlagen, vermutlich auch ein Zwinger, vorgelagert waren. Auf der Westseite, an der der Aufweg zur Burg entlang führte, bildete die Wehrmauer, anscheinend mit einigen angebauten kleinen Wirtschaftsgebäuden, den Abschluss des Hofes. Die Burg musste sich dem schmalen Felsenkopf anpassen. Sie entstand wahrscheinlich im 12. Jahrhundert, doch dürfte die erste, wohl zum größten Teil hölzerne Anlage noch in das 11. Jahrhundert zurückreichen. Das neue Schloss im Hartlgraben wurde erst im 18. Jahrhundert errichtet.

   Der Boden auf dem die Burg steht, war mit der Umgebung im Jahre 904 von König Ludwig an Arpo, den Sohn des Markgrafen Otakar, vermutlich gleichzeitig mit Schladnitz, geschenkt worden. Arpo verwendete 920 auch Kaisersberg zur Dotation des Stiftes Göß. Darum beanspruchte noch um 1420 das Stift Göß das Lehensrecht über Kaisersberg, das der Landesfürst als Besitzer der Burg auch anerkannte. Vermutlich hat dieses Gut damals Kraubath (Crowath) geheißen. Im 11. Und 12. Jahrhundert hatte diesen Besitz wahrscheinlich Waldo von Reun inne. Als sein Dienstmanne wird um 1100 Otto, milis de chrowat genannt. Um 1104 gründete Graf Walt von Runa die Kirche St. Stefan. Zwischen 1104 und 1106 übergab Graf Waldo diese Herrschaft an Markgraf Ottokar II. (Traungauer). Seitdem blieb das Gut als, allerdings oft verschwiegenes Gösser Lehen, im Besitz der Landesfürsten, die die Burg von Burggrafen und Pflegern verwalten ließen oder sie an verschiedene Adels-geschlechter weiter verliehen. Ob der 1139 – 1144 genannte Wernher de Chrobath hierher gehört, ist fraglich. Sicher saß hier um 1190 Otto de Chrobath, ein kleiner Ritter, als Burggraf. Otto, oder wahrscheinlich sein gleichnamiger Sohn kommt noch 1240 urkundlich vor. Dieser war wahrscheinlich der Burggraf der Grafen von Pfannberg auf Kaisersberg, welche Burg vermutlich damals weiter ausgebaut wurde. Nach Pircheggers Ansicht wurde der Burg nach Kaiser Friedrich II., der 1237 der Burg St. Peter (bei Leoben) das Landgericht verlieh, der Name Kaisersberg gegeben. Das Dorf unterhalb der Feste hieß noch im 13. Jahrhundert Welmutsdorf; 1220 – 1230 lagen darin vier Höfe, die nach Kaisersberg zinsten.

Im 13. Jahrhundert hatten die Grafen von Pfannberg Kaisersberg im Lehensbesitz. 1250 wird als ihr Dienstmanne Chunradus de Torseule, Burggraf von „Chaysersperg“ genannt. 1269 nahm König Ottokar den Grafen von Pfannberg die Burg Kaisersberg fort, ließ sie aber nicht zerstören, sondern besetzte sie mit böhmischen Söldnern. Des Königs Burggraf war 1270 Heinrich genannt der Scheubinch, der 1276 mit den anderen Böhmen vertrieben wurde. Am 21. November 1276 nahm Heinrich von Pfannberg anscheinend kampflos die Burg wieder ein.

Anfang März des Jahres 1292 kam es bei Kraubath zwischen dem Heere des Herzogs Albrecht unter Landenberg und dem Adelsheer zur Schlacht, in der die Aufständischen vernichtend geschlagen wurden. Dem Herrn von Stubenberg wurde das Roß unter dem Leib erstochen; nachdem seine Leute geflohen waren, wurde er mit Nikla Staudacher und Ott dem Mooshaimer gefangen. Nach der Schlacht besetzte Herzog Albrecht die Burg Kaisersberg. In diesen Kämpfen hatten die Güter des Stiftes Admont in der ganzen Gegend schwer gelitten, sodaß auch die Grafen von Pfannberg Ersatz für diese Schäden leisten mußten. Am 17. Dezember 1294 übergab Graf Ulrich von Pfannberg und seine Frau Margareta dem Abt Heinrich von Admont Güter zu Traboch im Liesingtal zur Ausstattung seiner Kapelle St. Walpurgen bei Kaisersberg. 1308 sah sich Ulrich Graf von Pfannberg zur Deckung seiner Schulden genötigt Kaisersberg an Heinrich den Frass zu versetzen. Hans Dummerstorffer saß damals als Burggraf auf Kaisersberg.

1331 löste Ulrich Graf Pfannberg die Burg wieder zurück und erhielt sie mit der Maut zu Bruck, später auch noch mit den Landgerichten Leoben und Kindberg, von den Herzogen Albrecht II. und Otto um 1000 Mark Silber versetzt. 1360 stellte Graf Johann von Pfannberg, der letzte des Geschlechtes, ein Darlehen von 8000 fl, das er von seinem Oheim Friedrich von Stubenberg erhalten hatte, auf der Burg und Herrschaft Kaisersberg sicher. Seine Witwe Margareta (seit 1363) versetzte Kaisersberg 1365 an Herrn Czaheis von Hochenrain, löste sie aber bald wieder aus. Die Herrschaft übernahm dann Graf Hermann von Cilli für seinen Sohn, den Verlobten der letzten Tochter des Grafen von Pfannberg. Nachdem diese den Grafen Haug von Montfort geheiratet hatte, musste der Cillier durch einen herzoglichen Schiedsspruch zur Herausgabe von Kaisersberg an die Grafen Wilhelm und Haug von Montfort im Jahre 1373 gezwungen werden.

Kaisersberg wurde nur von Verwaltern betreut, so von Hans Dummerstoffer 1390 – 1399, Ulrich Dummerstoffer 1400 – 1410, Bartlmä von Moosheim 1410 – 1421, Ekart Hagenrewter 1421 – 1430, Hans dem Zmolner (Zmöller) 1453, Ulrich von Krottendorf 1462. Im Jahre 1420 meldete Göss den Anspruch auf sein Lehensrecht über die Burg Kaisersberg an und Herzog Ernst nahm sie auch vom Stift zu Lehen. Doch wurde später das Lehensrecht des Stiftes wieder vergessen. Jedenfalls lassen sich spätere Belehnungen nicht nachweisen. Im Jahre 1450 setzten die Brüder Johann und Hermann, Söhne des Grafen Hermann von Montfort, Kaiser Friedrich auch über ihren „Satz“ Kaisersberg für den Fall zum Erben ein, daß ihnen männliche Nachkommen versagt bleiben sollten. Während aber bezüglich der anderen Besitzungen diese Erberklärung hinfällig wurde, da sich männliche Erben einstellten, kam Kaisersberg 1460, da es nur versetzt war, an den Landesfürsten, der 1462 als Verwalter Bernhard von Krabatsdorfer einsetzte. Nach einem Bericht sollen im Oktober 1471 Feinde vor das Schloss Kaisersberg gekommen sein und Zinse und Abgaben verlangt haben, ohne sonst etwas zu zerstören oder die Burg anzugreifen. Es läßt sich nicht bestimmen, auf welches Ereignis diese Nachricht sich bezieht, denn die Baumkircher Fehde war abgeschlossen. Wahrscheinlich handelt es sich um die Burg Kaisersberg in der unteren Steiermark. Als Verwalter folgten 1472 Paul Färber, diesem 1477 sein Schwiegersohn Jörg Katzianer, der Färbers Tochter Ursula geheiratet hatte , 1486 Friedrich Pranckher, 1491 Bartlmee von Mörsberg, 1504 seine Töchter Barbara, Kunigunde und Judith. Judiths Gatte, Niklas Rauber, löste 1524 die Anteile der beiden anderen Schwestern ab. Sein Sohn Wolf Dietrich trat 1550 nach erlangter Großjährigkeit die Herrschaft an; seine Erben sahen sich wegen der vielen Schulden, die auf der Herrschaft lagen, 1557 gezwungen, sie an einen der Miterben , den Schwager des Verstobenen, Sebastian von Windischgrätz , zu verkaufen. 1564 erhielt er die landesfürstlichen Lehen (das Gösser Lehensrecht war vergessen). Steuerausstände sammelten sich an, Unwetterkatastrophen schädigten die Einnahmen der Herrschaft. So wurden in den Jahren 1567 und 1569 den nach Kaisersberg untertänigen Bauern im Liesingtal und im Murtal bei Kaisersberg die Gründe weggerissen, 21 Stück Großvieh (Kühe, Ochsen) weggeschwemmt und die Felder und Wiesen des zur Burg gehörigen Meierhofes ganz zerstört.

1571 verbrannten in dem Sebastian von Windischgrätz gehörigem Schloß Thal die Steuerquittungen, weshalb er bat, man möge mit der Eintreibung der Steuern warten, bis er sich diese Steuerquittungen wieder beschafft habe. Als er 1577 neuerlich gemahnt wurde, schrieb er, er wäre gerne zum Landtag nach Bruck gekommen – wegen der Seuchengefahr in Graz war der Landtag damals in Bruck abgehalten worden – aber er liege krank zu Bett. Ausführlich schilderte er seine Krankheitssymptome und bat für einen „Armen, Totkranken Landmann“ um Barmherzigkeit und Geduld. Bald darauf ist er gestorben und sein Sohn Niklas hatte noch jahrelang mit den Steuerausständen zu kämpfen. 1588 verkauften Niklas´ Erben die überschuldete Herrschaft an Georg Ruprecht Freiherr von Herberstein. Sein Nachfolger Leonard Freiherr von Herberstein (seit 1614), verkaufte die Herrschaft mit Bewilligung Erzherzog Ferdinands 1617 an Hans Sigmund Wagen, der sie 1618 seiner Tochter Anna Regina, Frau von Maximilian Freiherrn von Breuner übergab. Ihr folgte 1649 ihr Sohn Ferdinand Ernst. Damals war das Schloß noch gut bewohnbar, bestand aus einer großen Anzahl von Zimmern, Stuben, Kammern, Gewölben, einer Küche, dem Getreidekasten und den Ställen. Am Fuß des Berges lag der Meierhof. Der Wert der Herrschaft mit zahlreichen bäuerlichen Untertanen wurde auf etwas über 47.000 fl geschätzt.

Die Herrschaft hatte sich aus kleinen Anfängen zu ansehnlicher Größe entwickelt. Im Jahre 1265 waren bei der Herrschaft nur die Ämter Pressnitz und Lobming, 1300 kam das Amt Zmöllach dazu, 1534 unter dem Freiherrn von Rauber das Amt Wechsel, 1587 das Amt Kammern und 1618 das Trofaiacher und St. Michaeler Amt und der Zehent Niederndof.

Auf Ferdinand Ernst (gestorben 1672 in Bad Neuhaus in Untersteier) folgte sein Bruder Karl Gottfried. Nach dessen Tode 1676 waren in der Rüstkammer 49 kleine und große Doppelhaken, 7 alte Karabiner, neun andere Gewehre, 13 Hellebarden, 7 Picken, 2 alte Pistolen, 9 Säbel, Patronentaschen und anderes mehr. Besonders gebrauchsfähig scheinen die Waffen nicht gewesen zu sein. Unter den anderen Einrichtungsgegenständen werden sechs türkische Teppiche mit seidenen Fransen und eine halbe Rippe von einem Walfisch „so sehr groß“ hervorgehoben. 1673 hatte Karl Gottfried Breuner Kaisersberg mit Kammerstein und Ehrnau zu einem Fideicommiß vereinigt.

1676 lagen in der Rüstkammerdes Schlosses 49 kleine und große Doppelhakenbüchsen, 7 alte Karabiner, 9 andere "Röhr",13 Hellebarden,, 7 Piken, 2 alte Pistolen, 9 Säbel, Patronentaschen und anderes Kriegsgerät. Bemerkenswert war ein zuerbrochenes "Rohr", aus dem gleichzeitig 8 Schüsse abgefeuert werden konnten. Vom übrigen Inventar des Schlosses werden sechs türkische Teppiche mit seidenen  Fransen und eine große halbe Walfischrippe besonders hervorgehoben.
 

Weitere Besitzer waren: Karl Weikhart (1676 – 1729); Karl Adam (1729 – 1777), Karl Thomas und Siegmund Ernst (1777 – 1783), Karl Maria (1783 – 1827) alles Grafen Breuner.

Als Verwalter saß 1785/88 Ignaz von Peball auf Kaisersberg, der hier als Sohn des Verwalters 1755 geboren worden war. Von 1827 – 1872 war Kaisersberg im Besitz von Leopold Graf Lamberg, von 1872 – 1882 besaß es Fürst Lichtenstein. Bis in das Jahr 2004 gehört Kaisersberg den Erben nach Franz Freiherrn von Mayr – Melnhof (gestorben 1957). Seit Jänner 2005 ist die Burgruine  und das dazugehörige Schloß im Besitz von Herrn Sigurd Hochfellner.

Text: Baravalle – Burgen und Schlösser der Steiermark – Leykam 1995

Idee und Gestaltung: Josef Bauer – September 2004